Christian, was haben Eure Craft Beer-Gläser wirklich drauf?

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Aromen schichten sich als Moleküle im Glas und Kohlensäure muss man beherrschen. Christian Kraus von Spiegelau erklärt uns das Craft Beer-Glas. Nur: Kann man den Unterschied zwischen normalem und Craft Beer-Glas wirklich schmecken? Wir haben’s getestet.

Spiegelau kennen viele Biertrinker:innen vielleicht durch die Craft Beer-Gläser, die der Glasproduzent zusammen mit bekannten Brauereien entwickelt hat. Die Gläser sind auf den jeweiligen Bierstil (IPA, Wheat Beer, Barrel Aged, Stout & Lager) zugeschnitten. Christian Kraus ist Geschäftsführer von Riedel/Spiegelau/Nachtmann Deutschland Vertrieb GmbH in Neustadt a. d. Waldnaab – und er ist überzeugt: Das Wissen über Glas und seine Eigenschaften, das in die Entwicklung der Spiegelau Craft Beer-Gläser geflossen ist, schmeckt man auch. Ist das wirklich so? Schmeckt Bier anders aus diesen Gläsern als aus normalen Gläsern? Wir haben’s getestet.

Die Biere zu den Spiegelau-Craft Beer-Gläsern

Diese Biere haben wir verkostet:
1.) Witbier: Kuehnes Blondes, Kühn Kunz Rosen
2.) IPA: Backbone Splitter, Hanscraft & Co
3.) Baltic Porter: Tallinn, Kehrwieder Kreativbrauerei
4.) Barrel Aged Beer: Faust Brauerreserve 1237
5.) Helles: Camba Hell, Camba Bavaria

Dazu haben wir ein Joker-Glas, in diesem Fall einen Willi-Becher, als Referenzglas verwendet. Ihr könnt aber auch einfach jedes andere Glas wählen.

“Der Unterschied der Gläser auf die Getränke ist so gravierend, so unterschiedlich wie die Nagelschere und die Heckenschere.”

Hinweis: Das folgende Protokoll dieser Podcastfolge ist eine stark gekürzte Form des Interviews. Die ungekürzte Version erlebt Ihr in unserem Podcast.Den könnt Ihr hier hören – oder Ihr folgt uns auf Spotify, Apple Podcast oder einem Kanal eurer Wahl. Gerne spreaden, gerne ein Sternchen als Bewertung zurücklassen. Oder uns via Steady unterstützen. Wir freuen uns über euren Support. Danke fürs Zuhören

Regine Marxen: Wir sind heute zu Gast bei einem Glas – Imperium…

Christian Kraus: Imperium ist immer so etwas, was andere unterdrückt. Wir überzeugen mit den Produkten, also daher ist der Begriff vielleicht nicht der richtige, aber mit Sicherheit bei einem Anbieter, der eigentlich keine Wünsche offen lässt.

Regine Marxen: Wir sind hier im Showroom.

Stefan Endrigkeit: Wenn das nicht das Showroom ist, was dann…

Regine Marxen: Das ist auf jeden Fall sehr beeindruckend.

Christian Kraus: Sinnigerweise nennen alle Mitarbeiter hier diesen Raum das “Muster-Zimmer”. Das kommt aus einer Zeit, in der man im Unternehmen noch viel kleiner war, auch kleinere Sortimente angeboten hat und alle Produkte in einem Zimmer gezeigt wurden. Das war tatsächlich ein Zimmer, nicht größer. Das hat auch den Gästen, unseren Besuchern, unseren Kunden gereicht. Das kommt aus einer Zeit, in der man noch wenig von Präsentation im Handel wusste oder wenig über die Präsentation im Handel gesprochen hat. Dieser Begriff “Muster-Zimmer” ist erhalten geblieben. Natürlich ist es heute ein Showroom, mit dem wir sowohl unsere Partner aus dem Handel begeistern möchten, wie man die Ware seinen Kunden präsentiert, aber natürlich auch für professionelle Anwender wie Gastronomen, dass man die Funktionen erklärt und auch Verkostungen und Tastings durchführen kann.

Regine Marxen: Und da gibt es diese Ecke, dieses große mit Craft-Biergläsern. Deshalb sind wir hier bei euch zu Gast. Und du, Christian, hast ein paar schöne Biere ausgesucht, mit denen wir die einzelnen Gläser hier einfach mal testen werden. Und wir freuen uns sehr, ein bisschen mehr zu erfahren, wie das denn so funktioniert mit der Entwicklung von Bier, Gläsern, speziell Craft Beer-Gläsern.

“Aber natürlich fühlen wir uns tatsächlich wie Missionare. “

Christian Kraus, Spiegelau


Christian Kraus: Ja, ich glaube tatsächlich, das Interessante für unsere Hörer ist heute zunächst mal: Warum gibt es überhaupt verschiedene Gläser? Ich mache immer einen Vergleich, denn jeder von uns hat zur Körperpflege eine Nagelschere zu Hause. Das sollte zumindest heute so sein. Und wenn der eine oder andere auch ein Grundstück hat und vielleicht ein Haus hat und eine Hecke hat, um sich da ein bisschen abzuschotten, dann hat er meistens auch eine Heckenschere zu Hause. Und wir sprechen von unseren Gläsern immer gerne von Werkzeugen, von Tools. Der Begriff Werkzeug ist deshalb perfekt, weil jeder Mensch, jeder Konsument mit dem Begriff Werkzeug eine genau definierte Aufgaben und Problemlösung versteht. Und wir sagen gerne zu unseren Gläsern, dass sie die Werkzeuge für den perfekten Genuss sind. Und wenn ihr jetzt mal diesen Vergleich heranzieht, diese Nagelschere und diese Heckenschere, dann ist eben klar, dass ich meine Nägel mit der Nagelschere schneide. Es käme nie jemand auf die Idee, seine Nägel mit der Heckenschere zu schneiden, weil es ein Werkzeug ist, ein Werkzeug für einen ganz definierten Anwendungsbereich. Und genauso sehen wir unsere Gläser. Der Unterschied der Gläser auf die Getränke ist so gravierend, so unterschiedlich wie die Nagelschere und die Heckenschere. Und deshalb freue ich mich, dass wir die Möglichkeit haben, diese Unterschiede zu erklären.

Stefan Endrigkeit: Wir haben uns gefragt, wie oft dir das Herz blutet, wenn du jemanden siehst, der irgendwie ein tolles Bier aus dem Willibecher trinkt.

Christian Kraus: In der Tat gar nicht so häufig, weil ich weiß, dass der Gast oder dieser Konsument es in der Regel gar nicht weiß, auf was er verzichtet. Okay, deshalb behalte ich dann das Geheimnis für mich und für uns und genieße mein eigenes Bier. Aber natürlich fühlen wir uns tatsächlich wie Missionare. Und das sowohl bei Wein, bei Schaumwein, aber natürlich auch bei Bränden und bei anderen Getränken.

Stefan Endrigkeit: Also das Stout-Glas ist, glaube ich, das erste, mit dem wir Kontakt hatten. Das haben wir irgendwann mal so als als als Standard-Glas gekauft. In die anderen sind wir so nach und nach reingewachsen. Und ja, das ist schon wirklich eklatant, was das aromatisch für Unterschiede macht. Also gerade auch das Weizenbier-Glas. Ich habe gerade noch mit Christian Temme vom Braustättchen gesprochen, am Samstag, der fragte: Was macht ihr gerade? Ich sagte :Wir fahren zu Spiegelau. Und er sagte auch, dieses Glas ist immer das überraschendste, weil alle erst mal sagen: Da passt ja niemals ein halber Liter rein.

Regine Marxen: Dann starten wir doch mal!

Christian Kraus: Ja, ich würde sagen, versuchen wir doch mal das erste Glas und das erste Bier. Und dann werde ich noch einige Dinge zu den unterschiedlichen Glasformen erzählen. Was jetzt wirklich schade ist für unsere Hörer, dass sie diese Gläser nicht anfassen können. Denn das ist die erste Besonderheit diese Gläser, dass wir hier in der Region der Oberpfalz sitzen. Und hier gibt es eine Quarz-Sandgrube, die ganz perfekten Quarzsand für unsere Produkte liefert, der die Oberfläche der Gläser unglaublich geschmeidig, unglaublich schön in der Haptik macht. Also wenn ich jetzt mal eines dieser Gläser, egal welches, tatsächlich anfasse und diese Feinheit, diese Geschmeidigkeit an der Oberfläche spüre – und dann daneben diesen Standard-Willi-Becher in die Hand nehme, dann spüre ich schon diesen Unterschied alleine in der Haptik, in der Oberfläche. Das kommt daher, dass der Quarzsand, den wir hier verwenden, den großen Vorteil hat, dass er molekular gesehen wie Schuppen von Fischen, also wie so kleine Blättchen in seiner molekularen Struktur ist. Das führt dazu, dass diese kristalline Struktur, die hier entsteht, durch die Schmelze sich tatsächlich auf die Oberfläche überträgt. Das ist ein kleiner Nachteil bei Schaumwein-Gläsern, weil Schaumwein ja davon leben, dass die Kohlensäure des Kohlendioxid aufgebrochen wird, dass sich große Perlen bilden. Und die Oberfläche ist so zart, so glatt, dass das bei Schaumwein nicht stattfindet. Wir müssen deshalb die Oberfläche von Schaumwein gläsern ganz bewusst verletzen.

Stefan Endrigkeit: Kann, spürt man das? Und wenn man die anfasst, fühlen die sich anders an?

Christian Kraus: Das befindet sich im Inneren des Glases. Also man kann da gar nicht mit einem Finger hereingreifen. Man würde es sehen, wenn man weiß, wo der Punkt ist. Bei Bier und Craft Beer aber ist das anders. Hier ist es ein super Vorteil, denn die Frische von Bier lebt ja von der Kohlensäure und man versucht ja so wenig wie möglich Kohlensäure zu verlieren. Also diese ganz feine, geschmeidige Oberfläche führt dazu, dass man einfach die Kohlensäure ganz lang, auch wenn man jetzt ein Genuss-Bier vor sich stehen hat, dass man nicht in drei Minuten wie vielleicht das erste Pils hineinstürzen möchte, sondern tatsächlich ein Genuss-Bier zelebrieren und genießen möchte über einen längeren Zeitraum, dann geht definitiv über die Oberfläche des Glases die Kohlensäure nicht verloren.

“Unser Geschmackssinn ist ein sehr plumpes Organ, kann eigentlich ganz generell nur vier, maximal fünf Geschmacksrichtungen erkennen.”

Christian Kraus, Spiegelau

1.) Das American Wheat / Belgian Wheat Beer-Glas

Craft Beer Gläser von Spiegelau: Wheat Beer Glas
Foto: Spiegelau

Ja, das erste Bier, das wir ausgesucht haben, passt also heute in die Konstellation deshalb so gut, weil, wenn wir jetzt über alle Craft-Biergläser sprechen, die Spiegelau heute im Sortiment führt, dann kann man ganz grob sagen, dass diese Craft Bee-Gläser auf die wichtigen Stilistiken der Biere zurückgehen, nämlich auf hopfen- und malzbetonte Stilistiken. Und das erste, das wir jetzt probieren werden ist eine hefebetonte Stilistik. Und nach diesen Kriterien und nach diesen Gruppen sind die Gläser entwickelt worden und in …

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