Bierhistorie: So prägt die Auswanderung die Bierkultur bis heute

Ein Auswanderer-Museum & Bier: Wie geht das zusammen? Ziemlich gut, sagt Torben Knye vom Auswanderer-Museum BallinStadt in Hamburg. Eine Spurensuche um den Globus, Bierhistorie & ein Bierfestival. Support: Locksmith Brewing und Cool Cats in Town. Präsentiert von Hamburg Ahoi.

Diese Folge wird präsentiert von Hamburg Ahoi. Sie stellt euch Hamburg aus Bierkenner-Sicht vor und serviert euch einige AHA-Momente. Sie reist einmal in die Vergangenheit und zurück. Denn die deutschen Brauer und ihr Bier haben in der Welt Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind. Im 18./19. Jahrhundert wanderten viele von ihnen aus, gerne Richtung USA, oftmals von Hamburg aus. Sie nahmen ihr Bier mit, ihre Hefe, ihre Erfahrung. Im 21. Jahrhundert sollte aus den USA eine Craft Beer Revolution auch Deutschland erfassen. Ohne die europäische Auswanderung wäre das so nicht erfolgt. Die Geschichte dreht sich, sagt Torben Knye vom Auswanderer-Museum BallinStadt in diesem Podcast. Am 17. September 2022 eröffnen er und sein Team die Sonderausstellung “Bier. Exportschlager”. Viele Auswanderergeschichten deutscher Brauer werden hier erzählt. Zeitgleich findet vor den Türen der Ausstellung die Hamburg Beer Week Celebration statt. Dieses Bierfestival feiert die Bierkultur und ist der krönende Abschluss der Hamburg Beer Week 2022. Es wird bunt, es wird groß, es wird ziemlich schmackhaft. 28 Brauereien mit mehr als 100 Biersorten, Live-Musik, Kunst, Workshops und Street Food warten auf die Besucher*innen.

Auch das Hamburg Lager wird dort ausgeschenkt. Dabei handelt es sich um einen weltweit wohl in der Form einzigartigen Co-Brew: 23 Hamburger Brauereien tun sich zusammen, um gemeinschaftlich ein Bier – das HHBW Festivalbier – zu brauen.

Zwei, die zum ersten Mal beim #HHBW Co-Brew dabei waren in diesem Jahr, sind Thorsten Schlosser, Locksmith Brewery, und Björn Lange, Cool Cats in Town Brewery. Unser Support in dieser Folge!

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“Die Geschichte dreht sich” Torben Knye, Auswanderer-Museum BallinStadt Hamburg

Hinweis: Das folgende Protokoll dieser Podcastfolge ist gekürzt. Die ungekürzte Version erlebt Ihr in unserem Podcast. Den könnt Ihr hier hören – oder Ihr folgt uns auf Spotify, Apple Podcast oder einem Kanal eurer Wahl. Gerne spreaden, gerne ein Sternchen als Bewertung zurücklassen. Oder uns via Steady unterstützen. Wir freuen uns über euren Support. Danke fürs Zuhören!

Regine: Ihr bereitet hier eine Ausstellung vor, die dreht sich um Bier. “Bier. Der Exportschlager.” Wenn man so eine Ausstellung vorbereitet, muss man da auch einiges an Bier verkosten. Oder läuft das ohne Bier?

Torben: Das Bier verkosten machen wir sowieso immer nach Feierabend. Aber nein, natürlich müssen wir uns nicht jetzt jeden Abend an eine Verkostung wagen. Aber wir müssen natürlich Liebe zum Bier haben und Freude am Bier. Dadurch sind wir natürlich auch zu dem Thema gekommen, am Ende des Tages. Ja, das ist spannend, weil man fragt sich vielleicht, wenn man jetzt so hört: Ein Auswanderer-Museum und Bier, was hat das miteinander zu tun? Eine ganze Menge.
Gerade früher, sagen wir mal im 19. Jahrhundert, wo die Menschen ausgewandert sind, haben die ganz viel von zu Hause mitgenommen. Das sind viele Bräuche gewesen, Lieder, Gepflogenheiten, aber eben auch das Kulinarische, Rezepte. Also gerade die jüdischen Auswanderer zum Beispiel haben alles, was man so aus Amerika kennt, diese jüdischen Gerichte heutzutage, die kommen eigentlich von osteuropäischen jüdischen Auswanderern und die Deutschen haben eben ganz oft auch so zwei Dinge mitgenommen. Wenn man im Ausland ist, wird man ja immer nach Backwaren gefragt, deutsches Brot und der deutsche Bäcker. Es gibt wahnsinnig viele deutsche Bäcker in New York. Und das zweite ist natürlich immer deutsches Bier. Und so haben eben auch viele Auswanderer deutsches Bier mitgenommen und es sind halt viele Brauer ausgewandert. Über diesen Weg kam eben diese Idee bei uns. Mensch, eigentlich müssten wir mal eine Ausstellung machen, die sich dem Thema Bier widmet und der Migration des deutschen Bieres in die Welt. Im Prinzip.

Regine: Ich erinnere mich, wir haben vor einiger Zeit schon mal über dieses Thema kurz gesprochen, oder ich habe euch angeschrieben, weil das mal so rumging. Euer Plan zu einer Ausstellung. Das hat ein bisschen gedauert, bis diese Idee Gestalt angenommen hat.

Torben: Na ja, die letzten zwei Jahre oder zweieinhalb, fast drei mittlerweile sind ja für uns alle nicht so leicht gewesen. Und dieses Thema ging immer mit. Wir haben halt geguckt, wie können wir es realisieren und sind halt sehr dankbar, dass wir jetzt von Neustadt Kultur unterstützt werden bei dieser Ausstellung und eben so diese Ausstellung auch umsetzen können. Das ist natürlich super spannend, weil man dann auch ganz anders herangehen kann an so eine Umsetzung von der Ausstellung. Wir haben uns auch andere schöne Partner gesucht und sind jetzt froh, dass im Herbst dieses Jahres die Ausstellung startet. Am 17. September. Wir hoffen, dass bis dahin auch alles gut bleibt und wir hier eine Menge Besucher empfangen können.

Regine: Das hoffen wir auch, parallel ist auch die HHBW Celebration als grandioser Abschluss einer hoffentlich grandiosen Beer Week. Habt ihr von Anfang an eng mit der Beer Week, also mit der Genossenschaft der Hamburg Beer Week, zusammengearbeitet?

Torben: Ja, als wir dieses Thema sozusagen spruchreif hatten, haben wir uns überlegt, mit wem können wir zusammenarbeiten? Wir haben dann einen Tipp bekommen. “Sprecht doch mal mit dem Axel Ohm von der Hamburg Beer Week. Der kann sicherlich viel Input liefern” – und dann entwickelte sich das halt so langsam weiter im Gespräch. Und irgendwann waren wir bei dem Punkt, wo wir gesagt haben: Na ja, dann haben wir hier doch ein großes Bierfestival. Bei uns auf dem Gelände bietet sich das ganz toll an, weil wir halt einfach auch die Möglichkeiten hier haben vom Gelände her. Irgendwie am Ende des Tages kam jetzt raus, dass wir die Ehre haben, die Hamburg Beer Week sozusagen abzuschließen, mit unserem Bierfestival. Also da läuft ein Zahnrad ins andere, wie man so schön sagt.

Regine: Das ist total super. Wir waren auch schon mal zu Gast hier in der Ballinstadt. Das ist tatsächlich sehr spannend. Ich finde das ganz toll, wie ihr die Museumspädagogik hier löst. Da kann man ja auch toll mit Kindern hingehen.

Torben: Wir werden aber diesmal eher eine Ausstellung für Erwachsene machen. Das heißt, es wird einen Disclaimer am Anfang der Ausstellung geben: Achtung, Achtung, ihr seid verantwortlich für eure Kinder. Es gibt aber auch in der Ausstellung nichts zum Naschen, sondern das kann dann nachher später in der Gastro bei uns passieren. Da wird dann auch nach dem Ausweis gefragt. Aber klar, wir werden uns eine Menge einfallen lassen. Vor allen Dingen auch schöne Bilder produzieren. Das ist bei so einer Ausstellung ja immer sehr, sehr wichtig, dass Inhalt und Optik halt eng zusammenarbeiten. Es ist ja auch eine Sonderausstellung, das heißt, sie ergänzt unsere Hauptausstellung. Und das ist auch immer so ein bisschen unser Ansatz. Wir haben die Dauerausstellung, wo wir sehr viele Themen nur kurz anreißen und gar nicht den Raum haben, weil es uns einfach viel zu viel werden würde, auf diese näher einzugehen. Durch die Sonderausstellung haben wir immer die Möglichkeit, so kleine Aspekte etwas größer zu ziehen. Das machen wir eben mit dem Thema Bier und mit den ausgewanderten Brauern, die einen Teil unserer Ausstellung darstellen, eben in diesem Falle auch. Das ist dann sozusagen als Ergänzung, sage ich mal, der Gast soll sich am Ende noch mal so 30 Minuten bis 45 Minuten in dieser Sonderausstellung aufhalten können. Das heißt, es wird eben dementsprechend so ein richtig schöner kleiner Appetithappen sein.

Regine: Es ist jetzt ungefähr Mitte August, während wir diesen Podcast aufzeichnen. Ihr seid vielleicht schon in der heißen Phase der Vorbereitung?

Torben: Absolut. Die Recherche ist schon einige Zeit im Gange und wir sind am Texte schreiben. Wir sind am Ausloten welche Designmöglichkeiten wir machen. Das ist oft auch so, dass ich das auch noch mal kurz vorher irgendwie über den Haufen werde, weil jemand noch eine tolle Idee hat, wie man etwas schöner darstellen kann. Es gibt so eine grundsätzliche Idee, die wir umsetzen werden und dann gibt es halt noch so kleine Möglichkeiten, wie man etwas noch ein bisschen spannender gestalten kann, interaktiv gestalten kann, mit Touchscreens, mit irgendwelchen Hebeln, die man vielleicht ziehen kann. Das muss man halt mal sehen. Aber natürlich die Story, die haben wir auch. Die Recherche und die Texte sind zum größten Teil geschrieben und jetzt fügt sich das Ganze halt zusammen. Wenn am 26. August unsere jetzige Sonderausstellung endet, dann geht es halt in die Umbauphase. Dann sind wir drei Wochen sozusagen damit beschäftigt, die Fläche dahin umzubauen, die auch immerhin gute 400 Quadratmeter haben wird. Das ist auch eine ordentliche Fläche, die bespielt wird und dementsprechend dauert es eben auch ein bisschen, das umzubauen dann.

Regine: Bei dieser Recherche, gab es da etwas, was dich selber sehr überrascht hat.

Torben: Spannend fand ich die Idee, dahin zu kommen, etwas über Bier zu machen und Auswanderung und Migration. Die kam mir eben auch dadurch, dass ich irgendwie so gedacht habe: Mensch, diese ganzen Namen von den amerikanischen Biersorten, die klingen verdammt deutsch.

Stefan: Zum Beispiel eine der größten Bier-Firmen der Welt: Anheuser-Busch.

“Es gab zeitweise, was ich sehr, sehr interessant und überraschend fand in der Recherche, 3000-4000 deutsche Brauereien in Amerika in der Hochzeit des deutschen Bieres in Amerika.”

Torben Knye

Torben: Die beiden Kollegen Anheuser und Busch, also Herr Anheuser und Herr Busch werden auch beide bei uns in der Ausstellung stattfinden, weil das natürlich das Beispiel ist, weltweit für Deutsche, die sozusagen im Ausland diesen American Dream, sage ich mal, umgesetzt haben, die beide irgendwie dahin gegangen sind, weil sie hier keine Zukunft für sich gesehen haben, aus verschiedensten Gründen. Aber es ist halt nur eine Geschichte von ganz, ganz viel Amerika. Es gab zeitweise, was ich sehr, sehr interessant und überraschend fand in der Recherche, 3000- 4000 deutsche Brauer*innen in Amerika in der Hochzeit des deutschen Bieres in Amerika. Ich habe auch in einem Buch gelesen, das wird als die Belle Epoque des deutschen Bieres allgemein bezeichnet, also das 18. / 19. Jahrhundert, und da sind ja am Ende dann auch ein paar übriggeblieben, halt in verschiedenen Größen. Das ist schon sehr, sehr interessant.

Stefan: Ja, es gibt …

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