#15: Holsten-Brauwelt-Braumeister Ralf Gebhardt

Mitten im Holsten-Brauerei-Land hat Ralf Gebhardt sein kleines Reich. Hier braut er Minisude, ist Marketing-Tool & kreative Versuchsbrauerei in einer Person. Seinen Job gibt es so nur wenige Male in diesem Land. Das macht uns neugierig. Was macht der Mann den lieben langen Tag in seiner Brauerei? Wir haben den Holsten Brauwelt Braumeister in Hamburg Altona besucht. 

Ralf Gebhardt Holsten BrauweltWir befinden uns mitten im Herzen des Holsten-Brauerei-Geländes in Hamburg Altona. Ein riesiger Betrieb, als Teil der Carlsberg-Gruppe zählt Holsten schließlich zur viertgrößten Brauerei-Gruppe der Welt. Rund 450 Mitarbeiter arbeiten derzeit für Holsten. Einer von Ihnen ist Ralf Gebhardt, Braumeister der Holsten Brauwelt. Sein Reich liegt mitten drin im Holsten-Areal – und ist überschaubar. Ein Büro, eine kleine Brauanlage mit Labor und ein Degustationsraum. Und Ralf. Das war’s. Außer, er hat eine Schar wissbegieriger Brauerei-Besucher um sich herum, die unter seiner Aufsicht in der Holsten Brauwelt ihr eigenes Bier brauen. Dann ist hier Trubel. So sieht Ralf Gebhardts Arbeitsalltag aus. Er braut  alleine. Oder erklärt anderen, wie’s geht. Um ihn herum herrscht Big Business. Zahlen- und Umsatzdruck. Streik ob des nahenden Brauerei-Umzugs und dem damit verbundenen Abbau von Personal – das pralle unschöne Wirtschaftsleben. Es scheint, Ralf macht sein eigenes Ding. Warendruck hat er hier jedenfalls nicht.


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Seit 2013 existiert die Holsten Brauwelt. Sie ist die Experimentieranlage von Holsten. Gleichzeitig finden dort  Brauseminare für Holsten-Besucher statt. Exil-Franke Ralf Gebhardt verantwortet hier seit drei Jahren als Braumeister das Geschehen. Er braut in Mini-Mengen. 50-60 Liter Bier pro Braugang. „Das hier,“, sagt er, „ist nicht auf Konsum ausgerichtet.“ Was er braut, erlangt selten das Licht der Supermarktregale.  Ralf Gebhardt macht Bier, Marketing, Produktoptmierungen. Das Bernstein Lager zum Beispiel hat er mitentwickelt. Wenn Anfragen aus der Marketingabteilungen kommen, checkt er, ob deren Wünsche auch wirklich in Bier umsetzbar sind. Klappt nicht immer, sagt er.


„Die großen Brauereien produzieren im Kundensinne. Wenn du nur unfiltrierte, unpasteurisierte Biere verkaufst, musst du erst mal den Verbraucher fragen, wie er es findet, dass diese nur zwei bis drei Monate haltbar sind, und nur stehend, gekühlt, dunkel gelagert werden sollten. Das würde die Mehrheit nicht akzeptieren.“ Ralf Gebhardt zum Thema Industriebier


Ralf Gebhardt Holsten Brauwelt2016 gewann er zwei Preise beim Meiningers International Craft Beer Award mit seinem Rotklinker Bier in der Dose. 2018 legte er mit seinem Exxtra Stout nach. Wir sehen, der Mann kann was. „Ich spiele ein bisschen“, lacht er. „Und verschwende meine Zeit.“ So kann man das nicht sagen, immerhin sind seine Holsten Brauwelt Biere in zwei Gaststätten, dem Anno 1905 und dem Heimathafen, exklusiv am Hahn. Aber eben nur dort. Würde er sich wünschen, dass seine Biere auch in größeren Mengen vertrieben werden? „Wenn die Alternative Arbeitslosigkeit ist, dann schon“, sagt er trocken. Ralf Gebhardt hat Humor. Klar wäre es schön, wenn er in größeren Mengen brauen würde. Aber, auch das stellt er unaufgeregt fest, „Meinen Job gibt es so nicht zehn Mal in Deutschland.“


„Wir sollten das Reinheitsgebot stehen lassen, im Sinne des Verbrauchers, aber es auch modifizieren. Dass du in Deutschland kein Fruchtbier machen kannst, ist Wettbewerbsverzerrung.“ Ralf Gebhardt zum Deutschen Reinheitsgebot


Irgendwo zwischen ausgefeiltem Marketing und Kreativbier Versuchsbrauerei – die Holsten Brauwelt zeigt, Holsten spielt mit dem Sujet Craft Beer, will aber bisher nicht so richtig auf diesem Markt mitspielen. Ob sich das mit dem Holsten-Brauerei-Umzug ändert, wo Ralf Gebhardt mit seiner kleinen Anlage landen wird, all das ist noch offen. In Hausbruch, wo ab Herbst 2019 Holsten Bier gebraut werden soll, wird er jedenfalls nicht beheimatet sein, so viel ist sicher. Die Holsten Brauwelt bleibt in der Stadt. Das immerhin verrät uns Ralf Gebhardt.

Viel Spaß beim Hören!

INSEL-BIER

„Es gibt zu viele Biere da draußen, um sich festzulegen.“

Hat er recht 🙂

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UNSERE #15-PODCAST-BIERE

Holsten Brauwelt Baltic Exxtra Stout

Goldmedaillen-Gewinner beim Meiningers Craft Beer Award 2018. Schöne, tiefdunkle Farbe, braun-cremiger Schaum. Mit einem Alkoholgehalt von 6,5 % vol. kein fieser Brummer, aber schon gehaltvoll. Das belegen die öligen Spuren am Inneren der Glaswand, die das Bier hinterlässt. Der Geruch wird dominiert von Röstmalz, Schokolade, Kaffee. Das setzt im Geschmack fort. Für ein Stout aus unserer Sicht einen Tick zu wenig cremig im Mundgefühl, aber herrliche Kaffeenote, die im Nachtrunk Schokolade als Spielgefährtin erhält. Ausgewogener Könner.

Bernstein Lager

Dem Namen entsprechen zeigt sich das Bernstein Lager in der Farbgebung zwischen Bronze und Kastanie. Malz macht sich im Geruch nur leicht bemerkbar. Es riecht leicht süßlich. Diese sweeten Malzaromen kommen auch im Antrunk durch. Im Nachtrunk wenig spektakulär. Rezent, schlank, trinkbar. Wenn wir Holsten trinken müssten, würden wir das Lager wählen. Echt. Reelles Teil.

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