#74 Bierothek-Gründer Christian Klemenz: Von einem, der auszog, um in Indien Bier zu verkaufen

Die Idee war groß, und am Ende lief (fast) alles anders. Bierothek-Gründer Christian Klemenz über Gründerjahre, CK-Shirts und den Versuch, mit dem Bier Climate Score Bierverkauf und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Support: Daniel Köning, Kompaan.

2013 gründete Christian Klemenz die Bierothek. Damit gehört er zu den ersten, die in Deutschland das Prinzip Bottle Shop und Onlineversandhandel für Bier umsetzten (zeitgleich u.a. mit dem Craft Beer Shop). Er hat BWL studiert, wollte immer was Eigenes machen. Und er ist Franke, kommt aus Bamberg, klar, Bier, das muss es sein. Warum nicht Bier in Indien verkaufen? Dickes Brett, sagt er heute. Geschafft hat er es – und einiges mehr. “Es ist nicht nur Business”, sagt er. Das glauben wir ihm. Ein Podcast über Bierliebe, Bierbusiness und Bier in Indien.

Support: Daniel Köning

Daniel Köning Sonderfolge für Supporter
Foto: privat

Daniel Köning ist eigentlich Dipl.-Designer, übers Heimbrauen kam er zum Bier und startete schließlich die Ausbildung zum Brauer und Mälzer in Berlin bei BRLO. Nach über 2 Jahren als Lead Brewer bei Heidenpeters hat es ihn jetzt in die Niederlande gezogen, zu KOMPAAN. Daniel ist spät ins Braubusiness gegangen, das sorgt auch für Druck. Wir fragen ihn, warum er sich dazu entschieden hat, statt Grafiken lieber Bier zu kreieren, wie er mit Druck umgeht und was ihn trotz aller Schönheit an diesem Job manchmal nervt. Diese Folge ist die gekürte Fassung der Sonderfolge für Supporter. Die ungekürzte Version steht exklusiv für HHopcast-Unterstützer zur Verfügung.

“Was macht jetzt wirklich den CO2-Fußabdruck letztendlich aus? Vom Feld in die Hand oder ins Glas?”

Hinweis: Das folgende Protokoll dieser Podcastfolge ist gekürzt. Die ungekürzte Version erlebt Ihr in unserem Podcast. Den könnt Ihr hier hören – oder Ihr folgt uns auf Spotify, Apple Podcast oder einem Kanal eurer Wahl. Gerne spreaden, gerne ein Sternchen als Bewertung zurücklassen. Oder uns via Steady unterstützen. Wir freuen uns über euren Support. Danke fürs Zuhören!

Regine: Ihr habt einen Score entwickelt in Sachen Nachhaltigkeit für eure Biere, zusammen mit einer Universität. Erzähl mal.

HHopcast auf Spotify. Ihr findet ihn aber auch auf vielen weiteren Kanälen eure Wahl.

Christian Klemenz: Genau. Und zwar mit der Universität, an der ich auch studiert habe, wo ich mein Masterstudium gemacht habe, an der Handelshochschule Leipzig. Das war damals auch schon so, als ich da Student war. Da gab es immer sogenannte Praxis-Projekte, wo Firmen mit kleineren Forschungsaufträgen angefragt haben. Und dann haben Studenten das unter Supervision von dem Professor bearbeitet. Die Uni kam auch Ende letzten Jahres auf uns zu und hat gefragt, ob wir ein Thema hätten, was wir gern bearbeiten wollen würden. Da wir sowieso so vielerlei Nachhaltigkeitsbestrebungen in der Firma haben und versuchen, alles zu machen, haben wir uns eh schon immer selbst die Frage gestellt: Wie groß ist eigentlich der Climate Impact? Also quasi von verschiedenen Bieren, weil selbst uns, die wir ja eigentlich die Profis sind, ist das nicht immer transparent. Was ist, was macht eigentlich den größten Einfluss? Dann haben wir das studentische Team darum gebeten, das mal zu recherchieren und sich mal anzuschauen. Was macht jetzt wirklich den CO2-Fußabdruck letztendlich aus? Vom Feld in die Hand oder ins Glas. Also nicht nur die reine Produktion, sondern wirklich auch den kompletten Weg. Da haben die uns jetzt eine schöne Studie dazu gemacht.

Regine: Und das übertragt ihr dann in euer System. Und wenn ich jetzt zum Beispiel auf eure Website gehe und ich gucke mir ein Bier aus, habe ich da unten dann so einen kleinen Button sowie zum Beispiel die Energiebilanz eines Kühlschranks?

Christian Klemenz: Genau das ist ein bisschen der Vergleich. Also wie gesagt, wir haben erstmal den Forschungsteil, wo wir uns das mal angeschaut haben und da haben wir belegt, okay, wie können wir das eigentlich in die Praxis übertragen und haben gesagt, eigentlich wäre es schön, so eine relativ einfache, transparente Lösung zu haben.

Regine: Ist zum Beispiel so ein US-Bier da nicht generell eher schlecht aufgestellt in der Nachhaltigkeitsbilanz oder CO₂-Bilanz?

Christian Klemenz: Also genau das ist wie gesagt für uns selber interessant. Ist ja klar, dass wenn ein Bier einen langen Weg genommen hat, ist da auch Energie angefallen. Aber wir wollen es relativ einfach für den Kunden darstellen und es geht jetzt auch nicht darum, sage ich mal, das dann zu verdammen, unbedingt. Aber wir wollen es einfach transparent machen. Und wir haben sowieso immer den Ansatz, dass wir da, wo Emissionen nicht zu vermeiden sind, dass wir sie dann zumindest ausgleichen.

Stefan: Und das habt ihr jetzt einfach quasi für alle Biere im Laden gemacht. Also das ist der Plan.

Christian Klemenz: Genau jetzt, jetzt beginnt sozusagen die Implementierungs-Phase, jetzt müssen wir das umsetzen, dass das im Onlineshop und in den Läden dann für den Kunden transparent ist. Also wir sind jetzt hier in Hamburg. Hier gleich ums Eck ist das Braustättchen, unser Partner-Händler von Christian Temme, der wird das auch als Pilotprojekt sehr zeitnahe umsetzen.

Stefan: Ja. Super. Also, ich meine, es wurde ja schon immer gesagt, wenn wir wirklich nach Nachhaltigkeit gehen, müssten wir eigentlich alle Öttinger trinken.

Christian Klemenz: Also wir haben natürlich auch die Frage von Anfang an, also wir wollten uns einfach da jetzt nicht wegducken oder so, sondern quasi einfach klarmachen, natürlich ist es ein Luxus, ein Stück weit, wenn, wenn man, sage ich mal, Biere aus der ganzen Welt, außergewöhnliche Biere trinkt. Das ist ja unser Geschäftsmodell. Wir wollen natürlich auch alle diese Biere verkaufen, ganz, ganz klar. Aber wir sehen es dann trotzdem so ein bisschen als unsere Verantwortung an und dem Kunden auch die Möglichkeit geben, zu sagen: So, hey, wenn du willst, kannst du auch noch einen zusätzlichen Beitrag leisten. Und deswegen haben wir diesen sogenannten Bier Climate Score jetzt entwickelt.

Regine: Habt ihr Brauereien gefragt, wie die das finden?

Christian Klemenz: Ähm.

Christian Klemenz: Wir machen es einfach. Genau. Wir haben es jetzt veröffentlicht und das machen wir, aber unser Ansatz ist auch der, dass wir wollen, dass die Brauereien, die dann eben vielleicht dann da auch mal schlechter abschneiden, aus irgendeinem Grund, das natürlich dann auch transparent offenlegen, warum sie da schlechter abschneiden. Das heißt zum Beispiel, Gebinde oder was auch immer, und um da vielleicht auch einen Anreiz zu setzen, irgendwie was zu machen gegebenenfalls. Also wir bauen ja sowieso so eine ganze digitale Plattform auf, wo Brauereien sich eben anschließen können. Und da wollen wir auch eben mit Software-Produkten eben zu diesem ganzen Thema Nachhaltigkeit oder auch im Klimaschutz versuchen, da Tools zu bauen, die eben Brauereien helfen, das für sich selber zu tracken, transparent zu machen und auch gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen, um da was zu verbessern.

Regine: Also besteht da durchaus de…

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