Bier für den Kiez. Quartiermeister will raus aus der Nische

Das Berliner Bierlabel Quartiermeister gehört zu denen, die das Thema faire Produktion wirklich ernst nehmen. Ihre Mission ähnelt der des Hamburger Kollektivs Premium Cola: Die Wirtschaft ist für den Menschen da. Im Juni planen die Meisterinnen und Meister den Schritt aus der Nische. Quartiermeister will raus in die Republik.

von Regine Marxen / Fotos: Quartiermeister

Craft Beer for the People, Bier für den Kiez: Wer Quartiermeister trinkt, tut was Gutes für seine Hood. "Wir sind davon überzeugt , dass eine andere Art des Wirtschaftens möglich ist und dies verbreitet werden soll", schreibt uns Meike Hornbostel von Quartiermeister in Ihrer eMail. Deshalb habe man den Verein Quartiermeister und das Unternehmen Quartiermeister - Korrekter Konsum GmbH gegründet. Letzterer kümmert sich um den Vertrieb und den Verkauf der Biere – und beschäftigt immerhin schon neun Mitarbeiter, deren Gehälter durch den Bierverkauf bestritten werden. Der Verein begleitet den Fördermittelvergabeprozess, fungiert als Gesprächspartner im Kiez und kontrolliert das Unternehmen. "Alle Mitarbeiter*innen stehen hinter der Vision und wollen eine Wirtschaftsordnung jenseits von Profitmaximierung, Ausbeutung und Wachstumszwang verbreiten", so Meike.

Starke Ziele, die sich die Mädels und Jungs auf die Bieretiketten geschrieben haben. Das Thema ist komplex, die Formel dazu lautet hingegen ganz einfach. Bier trinken. Gutes tun. Kann eigentlich jeder. Wenn er an Quartiermeister-Biere herankommt. Denn das ist bisher nicht ganz so einfach. Gebraut wird in der Brauerei Wittichenau in der Lausitz und in der Brauerei Gut Forsting östlich von München zwischen Ebersberg und Wasserburg, die Biere werden vor allem in der Region Ost rund um Dresden und Leipzig, in München und in Berlin vertrieben. Vereinzelt findet man Quartiermeister auch in Bars in Rostock oder in Neubrandenburg vor. Aber das sind Ausnahmen.

Raus aus der Nische

Ein Bier fürs Quartier: Bier fördert die soziale Gemeinschaft. Und, ja, steht nicht im Mittelpunkt, sondern ist Mittel zum Zweck. Quartiermeister-Biere schmecken souverän, haben Qualität, machen Spaß. Aber sie sind nichts für Bier-Geeks auf der Suche nach einer neuen Geschmacksexplosion. Darum geht's hier nicht. Hier geht's um Nachhaltigkeit und Verantwortung, um eine soziale Marktwirtschaft. Diesem Grundsatz fühlt sich Quartiermeister auf der ganzen Line verpflichtet. Verkäufe und Umsätze, die Zertifizierungen der Partner, all das findet der Konsument auf der Homepage des Vereins transparent in Form von Gemeinwohl-Ökonomie-Berichten aufgelistet. 

Damit das Projekt nicht im Regionalen versandet, planen die QuartiermeisterInnen, zu expandieren. Gesucht werden Brauereien in West- und Norddeutschland, die Lust haben, dieses Projekt mitzutragen.

Ende Juni soll zudem eine Crowdfunding-Kampagne starten. "Wir brauchen die Mittel des Crowdfundings für Kisten und Köpfe, neue Städte und eine erweiterte Produktpalette", so Quartiermeisterin Meike. Wer den Start nicht verpassen will, sollte desöfteren auf der Homepage oder auf ihrer Facebook-Seite vorbeischauen.

Interview mit Quartiermeisterin Meike Hornbostel

HHopcast: Eure Grundsätze in aller Kürze?

Meike Hornbostel: Unsere Prinzipen sind Social Profit, Unabhängigkeit, Regionalität, Transparenz, Partizipation und eine politische Haltung.

In welchen Kiez oder welche Projekte fließt das von euch erwirtschaftete Geld?
Das Geld, welches sich aus den verkauften Litern ergibt, fließt in soziale Projekte der Stadt, in der es verkauft wurde – deswegen auch unser Slogan Bier für die Nachbarschaft. Je nachdem wie viel Liter in der Stadt getrunken werden, wird eine gewisse Anzahl an Projekte gefördert. Beispielsweise wurden letztes Jahr 3.500 hl Bier verkauft, das sind 35.000 Euro für Projekte. Davon wurden 400 hl in Dresden getrunken, weswegen dort Projekte für 4.000 Euro unterstützt werden. Das sind je nach Fördersumme zwischen vier und acht Projekte.


Anmerkung der Red.: Die Entscheidung über die Vergabe von Fördergelder erfolgt demokratisch. Online oder über den Verein können Mitglieder und alle Interessierten darüber abstimmen, wohin die Gelder fließen. Bisher sind laut Quartiermeister mehr als 100.000 Euro an mehr als 100 Projekte in den Nachbarschaften Berlins, Dresdens, Leipzigs und Münchens ausgeschüttet worden.


Wo ist euer Hauptquartier, wo laufen die Fäden zusammen?
Unser Hauptquartier befindet sich in Berlin-Kreuzberg.

Habt ihr Leitlinien und Grundsätze, welche Projekte von euch Gelder erhalten?
Wir haben gewisse Förderrichtlinien, die die Projekte erfüllen müssen. Der Grundsatz ist dabei, dass Projekte die das nachbarschaftliche Leben beispielsweise auf den Feldern der Erziehung, der Bildung, der Kultur oder des Sports unterstützen, Raum und Gelegenheit für integrierende Begegnungen der Menschen ausgebaut und geschaffen und auf ein nachhaltiges, wohltuendes und respektvolles Leben in der Nachbarschaft hinwirken, gefördert werden.

Seit wann arbeitet ihr mit diesem Konzept?
Quartiermeister wurde als Verein 2010 gegründet und zwei Jahre so versucht das Bier zu vertreiben. 2012 haben Peter Eckert und David Griedelbach dann die Idee professionalisiert und seitdem besteht das Unternehmen. Somit arbeiten wir mit dem Konzept seit Beginn der Gründung, da die Idee Ursprung des Konzeptes ist.

Und warum arbeitet ihr nicht mit einer Brauerei in Berlin? Oder braut sogar selber?
Unsere Prinzipien gelten für Quartiermeister insgesamt, deswegen sollen unsere Brauereien möglich regional arbeiten und selbst unabhängig sein. Da wir nach diesen Kriterien und mit der gewünschten Abfüllmenge, die wir haben, keine Brauerei in Berlin gefunden haben, brauen wir in der Oberlausitz und bei München. Unsere Brauerei dort ist unabhängig und kann die gewünschten Mengen Bier produzieren. Da zudem das Bier nicht weiter als 300km geliefert werden soll (Regionalprinzip) ist die Oberlausitz praktischer gelegen, da von dort aus Dresden, Leipzig und die gesamte Region Ost gut erreicht werden kann. Aus diesen Gründen gibt es auch Quartiermeister noch nicht in Nord- und Westdeutschland, da wir dort noch keine Brauerei gefunden haben, die unseren Prinzipien entspricht. Selber brauen wir nicht, da wir erst zu einem späteren Zeitpunkt einen Brauer ins Team geholt haben und die Gründer keine Brauingenieure sind. Allerdings stammt die Rezeptur der neuen Biere Bio-Pils, Bio-Rotbier und Bio-Helles, nach dem die Brauerei braut, von uns.

Beitragsbild/ Fotos: Quartiermeister

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.